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02.08.2007

Weber Automotive Marktführer bei Jet-Antrieben für Boote - kräftiger Ausbau geplant

Südkurier

Was verbindet Formel Teamchef Flavio Briatore mit Markdorf? Der Italiener vertraut beim Antrieb seines Yacht-Beibootes auf Markdorfer Technik.

Südkurier Zeitungsbericht mit redaktioneller Anpassung des Lokalteils Markdorf, Redakteur Helmar Grupp

 

Markdorf - Mit ihrem Zweizylinder MPE 750 sei die Weber Automotive GmbH in diesem Segment laut Firmenchef Albert Weber nun führend am Markt.

Der Clou: Der Antrieb kommt ohne die klassische Außenborder-Schraube aus.

 

 

An Bord grüßt Flavio Briatore: Auch die Yacht des
Formel 1-Teamchefs von Benetton hat ein Beiboot,
dass von dem Weber-Zweizylinder mit Jet-Antrieb
befeuert wird.

 

Markdorf – Der Automobilzulieferer Weber Automotive setzt zunehmend auf sein jüngstes Standbein Marine Technik: In den vergangenen drei Jahren habe man sich als Motorenlieferant im Segment der Jet-Ski und Jet-getriebenen Schlauchboote zum Weltmarktführer entwickelt, sagt Albert Weber. Ermöglicht hat dies der gemeinsam mit dem Schweizer Hersteller Swissauto entwickelte und bei Weber produzierte Zweizylinder MPE 750.

 

„Downsizing“ heißt im Motorenbau das Zauberwort der Stunde: Gleiche Leistung bei kleinerem Hubraum, der Motor wird kompakter und bietet dennoch die selbe Leistung wie in diesem Falle herkömmliche Vier- oder Sechszylinder – und ist zudem deutlich sparsamer und emissionsärmer. Laut Weber-Technik-Chef Eberhard Wizgall sollen in der Marine-Anwendung Verbrauchsreduzierungen von bis zu 50 Prozent möglich sein.

 

Doch das ist nicht das einzige Pfund, mit dem die Markdorfer Motorenexperten auf dem Markt wuchern können. Der komplett bei Weber entwickelte Antrieb für die schnellen Boote hat im Gegensatz zu den Außenbordern keine Schraube. Die Verletzungsgefahr, so Weber, sei damit gebannt: „Das ist ein Quantensprung, die Zukunft bei den Antrieben.“ Weber rechnet damit, dass die neue Technik den Außenborder in diesem Segment bald schon ablösen wird.

 

Weber Automotive liefert das System schlüsselfertig an die Bootshersteller. Von dessen Vorteilen hätten sich zahlreiche bereits überzeugt, so etwa der französische Marktführer Zodiac und der britische Nobelhersteller Williams Marine. 2500 Antriebssysteme wird Weber in diesem Jahr ausliefern, was einem Weltmarktanteil von 80 Prozent entspricht. Doch damit soll das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sein. So will Weber künftig auch in das Motorensegment für größere Boote einsteigen. Bis 2009/2010 könne dann die Produktion auf 5000 Einheiten jährlich gesteigert werden, prophezeit Weber: „Für uns ist das die Plattform, um im Marine-Bereich wesentlich zu wachsen.“

 

Dort ist bekanntlich seit langem schon ein Häfler Nachbar stark: Die MTU, das Kernunternehmen der Tognum AG, stellt schnell laufende Großdiesel her und deckt damit den oberen Marktbereich ab. „Wir tun unserem Nachbar ja nicht weh. Da, wo die MTU unten aufhört, wollen wir in den Mittelbereich gehen“, sagt Weber. Dafür sieht man sich mit den Weiterentwicklungen der hauseigenen Motorenfamilie, etwa dem kompakten Vierzylinder MPE 4, bestens gerüstet.

 

Gehen die Weber-Pläne auf, dürfte der Jet-Set rund um den Globus bald größtenteils mit Motorentechnik aus dem Bodenseekreis über die  Meere schippern: Die MTU ist seit Jahren bereits Marktführer als Ausrüster von Luxus-Yachten – und die passenden Beiboote bekommen ihre Motoren aus Markdorf.

 

 

Ein Beiboot des britischen Herstellers Williams Marine.
Als Motorenlieferant ist Weber Automotive in diesem
Segment inzwischen weltmarktführend. 

 

 

Der MPE 750 ist ein extrem kompakter und leistungsstarker 2-Zylinder 4-Taktmotor mit 750 ccm Hubraum und 15 kw (21 PS) bis 100 kw (136 PS). Mit rund 40 Kilogramm ist er ein absolutes Leichtgewicht. Als so genannte "Multi-Purpose-Engine" (multi-funktionaler-Motor) kann der Motor in Booten, Motorrädern, Jet-Ski, Schneemobilen, Leichtflugzeugen und Pkw, dort auch als Basis von Hybrid-Antrieben, eingesetzt werden. Als Jet-Antrieb für Schlauchboote und Jet-Skis läutet der MPE 750 eine neue Ära ein: Sein ebenfalls bei Weber entwickelter Antrieb verzichtet auf die klassische Schraube der Außenborder (siehe Bild) und hat stattdessen eine im Inneren des Antriebsstrangs integrierte Turbinenschraube. Der Verzicht auf die Außenschraube bannt das Verletzungsrisiko.